Schild Lager Heegerstraße
Ostarbeiter-Gemeinschaftslager Langenberg / Rhld. Heegerstraße
An dieser Stelle wurde im Oktober 1942 auf damals städtischem Grund ein Zwangsarbeiterlager gebaut: Das Ostarbeiter-Gemeinschaftslager Langenberg/Rhld. Heegerstraße. Im Lager wurden von den Nationalsozialisten etwa 250 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter gegen ihren Willen untergebracht, darunter viele Frauen und auch einige Kinder. Sie waren hauptsächlich russischer und polnischer Nationalität, zum Kriegsende kamen italienische Kriegsgefangene hinzu. Das unter militärischer Bewachung stehende Lager bestand aus insgesamt vier Wohnbaracken und vier Funktionsgebäuden. Es war mit Stacheldraht umgeben. Die Gefangenen wurden überwiegend in Langenberger Unternehmen zur Arbeit gezwungen. Im April 1945 wurden die Insassen von den amerikanischen Truppen befreit.
Ort der Erinnerung
Im Zweiten Weltkrieg wurden in der heutigen Stadt Velbert eine Vielzahl von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern zur Arbeit in den meist für die Rüstungsindustrie arbeitenden Betrieben gezwungen. Untergebracht wurden diese Menschen in mit bis zu 1.000 Menschen belegten Barackenlagern oder in den Betrieben selbst. In Langenberg lassen sich nach heutigem Forschungsstand etwa 1.500 Frauen und Männer zählen, in Neviges 2.000, und in Velbert mehr als 12.000. Nur wenige von ihnen sollten ihre Heimat wiedersehen, sie starben an Krankheiten, an den Folgen der Inhaftierung oder in Einzelfällen auch durch Gewalt Ihrer Bewacher.
Dieses Gebäude und das etwa 100 m weiter linksstehende Gebäude sind in ihre Bausubstanz historische ehemalige Baracken des Ostarbeiter-Gemeinschaftslager Langenberg / Rhld. Heegerstraße. Nach dem Krieg wurden sie umgebaut und in friedliche Nachnutzung übergegangen. Diese Gebäude sind die einzigen verbliebenen Relikte der nationalsozialistischen Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager in Velbert – ein Ort, um den hierhin verschleppten und hier festgehaltenen Menschen zu gedenken und zum Frieden zu mahnen.
Der russische Schriftsteller Vitalij Sjomin als Zwangsarbeiter in Langenberg
Der Russe Vitalij Sjomin, *12. Juni 1927 in Rostow, † 10. Mai 1978 ebenda, wurde im Oktober 1942 im Alter von 15 Jahren zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Nach Arbeitseinsätzen im Ruhrgebiet und in Velbert war die letzte Station seiner Gefangenschaft im März 1944 dieses Lager. Sjomin wurde zunächst zur Arbeit bei den Metall- und Kaltwalzwerken, später dann bei der Firma Volkenborn gezwungen. 1945 kehrte Sjomin in seine Heimat zurück.
1978 veröffentlichte Sjomin über seine Erlebnisse in Deutschland ein Buch: „Zum Unterschied ein Zeichen“. Darin beschreibt er detailliert und eindrucksvoll seine Erlebnisse in Langenberg. Der Titel des Buches begründet sich auf dem „Ostarbeiter-Abzeichen“, dass die russischen Gefangenen tragen mussten und dass sie ins Negative von den anderen Gefangenen abstufte, sie zu „Untermenschen“ degradierte.
Im April 1978 besuchte er im Rahmen seiner Buchveröffentlichung noch einmal Velbert – und auch Langenberg. Nur wenige Tage später, am 10. Mai 1978, verstarb Sjomin im Alter von nur 50 Jahren.
Sjomin leitet die Beschreibung seiner Zeit in Langenberg mit den folgenden Worten ein, die für sich selbst sprechen. Noch heute stehen die beschriebenen Häuser als Zeitzeugnisse an der Heegerstraße.
Das Städtchen hieß Langenberg. Das Lager lag in einem Flußgrund. Der Fluß hatte sich in eine faulende Industriekloake verwandelt. Das saubere Wasser bekamen die weiter flußauf gelegenen Fabriken.
Die Baracken bildeten ein regelmäßiges Viereck. Sie lehnten am Kamm einer Böschung, die auf eine Brücke zuführte. Ein Zementabflußrohr, das die Böschung durchschnitt und dem Abfluß des Hochwassers diente, ging auf den Lagerplatz hinaus. Den Eingang in die Röhre verschloß eine Tür, die Röhre war zu einem Schutzraum umgebaut.
Das Lager mit seinen deutschen Standardbaracken war von der Brücke aus einzusehen. Es war auch aus den Fenstern mehrerer drei- bis vierstöckiger Häuser zu sehen, die von unten, aus dem Lager, wegen ihrer hohen Ziegeldächer, übergroß wirkten.
Wie oft versuchte ich, einen neugierigen Blick aufzufangen! Es gelang mir nicht ein einziges Mal. Ich war mir nicht schlüssig, ob es Teilnahmslosigkeit oder Disziplin war. Jedenfalls war es etwas, was ich nicht begriff.
aus Vitalij Sjomin: „Zum Unterschied ein Zeichen“